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Die Hauptstadt des Bundeslandes Thüringen, mit über 200.000 Einwohnern, liegt im südlichen Thüringer Becken. Früher gab es hier 43 Kirchen und 36 Klöster, was im Mittelalter zu der Bezeichnung "deutsches Rom" führte. Die Stadt entstand zwischen Petersberg und Gerabogen an der Kreuzung wichtiger Handelswege. Das Jahr 742 gilt als Gründungsdatum von Erfurt. Wasserreichtum und fruchtbarer Boden hatten die Ansiedlung von Handwerkern und Bauern begünstigt.

Bis Mitte des 15. Jahrhunderts erlebte die Stadt eine Blütezeit, die sie vor allem dem Fernhandel, dem Anbau und der Verarbeitung von Färberwaid sowie den etwa 90 Handwerksinnungen verdankte, die sich in der Stadt niedergelassen hatten. Die Altstadt, das größte Flächendenkmal Deutschlands, zeigt mit zahlreichen erhaltenen Bauten, welchen Wohlstand die Bewohner durch Handel und Handwerk erreicht hatten.

Domhügel und Petersberg mit dem ehemaligen Kloster und der Zitadelle, der einzigen erhalten gebliebenen Stadtfestung im östlichen Deutschland, krönen die Stadt. Der Mariendom und die Severi-Kirche auf dem Domhügel wurden im 14. Jahrhundert vollendet. Für den Bau des Domchores war eine künstliche Erweiterung der Baufläche erforderlich. Damals entstanden auch die "Graden", eine imposante Freitreppe mit siebzig Stufen. Am Domplatz stehen zwei sehenswerte Häuser, das Renaissancehaus "Zur Hohen Lilie" (1538) und die seit 1638 bestehende "Grüne Apotheke".

Das heutige Rathaus am Fischmarkt wurde 1870 bis 1875 im gotischen Stil erbaut. Hier zeugen prächtige alte Patriziersitze, besonders die Häuser "Zum Breiten Herd" und "Zum Roten Ochsen", vom Reichtum der Erfurter Waidhändler. Noch älter sind die Wohnbauten "Zur blauen Lilie" und "Zum Hirschsprung" in der Turniergasse mit gotischen Bauelementen. Die im Fachwerkstil gebauten Waidspeicher an der Großen Arche beherbergen heute Werkstätten der Denkmalpflege, Kabarett, Puppentheater und das Naturkundemuseum.

Eine besondere Sehenswürdigkeit Erfurts ist die Krämerbrücke. Um das Überqueren der Gera auch bei Hochwasser zu ermöglichen, war neben der Furt erst eine Brücke aus Holz, 1325 dann aus Stein errichtet worden. Auf Mitteleuropas einziger bebauter Brücke stehen noch 34 Häuser. Der Name stammt von den auch heute noch dort erhältlichen Krämerwaren.

Im Jahre 1392 wurde in Erfurt die Universität gegründet, an der später auch Martin Luther Theologie studierte. Nach Abbruch des Studiums lebte dieser im Augustiner-Kloster als Mönch. An die bedeutende Universität des Mittelalters, die eine Hochburg der Humanisten war, erinnert das noch erhalten gebliebene spätgotische Kielbogenportal in der Michaelisstraße. Im Kaisersaal, ursprünglich Universitätsballhaus, trafen sich 1808 Napoleon, Zar Alexander I., Goethe und Wieland zum Fürstenkongreß, 1891 tagte hier die SPD und beschloß das "Erfurter Programm".

Bedeutende Bauten entstanden auch während der Zeit der kurmainzischen Herrschaft, insbesondere die Zitadelle auf dem Petersberg. Die Anfang des 18. Jahrhunderts errichtete Festung diente der Beherrschung der Stadt und ihres Umlandes durch den Mainzer Erzbischof. Im ehemaligen Sitz der kurmainzischen Statthalter, der Statthalterei, befindet sich heute die thüringische Staatskanzlei.

Im 18. Jahrhundert avancierte Erfurt zur Blumenstadt von europäischer Bedeutung. Auf dem ca. 36 Hektar großen Gelände der Cyriaksburg finden seit 1838 ständige Gartenbauausstellungen statt. Die heutige "ega" entstand aus dieser Tradition. Weitere kulturelle Angebote der Stadt Erfurt sind das Haus Dacheröden mit dem Kulturamt, das Museum für Thüringer Volkskunde, das Kunsthaus in der Michaelisstraße und der Thüringer Zoopark.

Auch in der näheren Umgebung der größten Stadt Thüringens gibt es zahlreiche lohnende Ausflugsziele. Eins davon ist im Stadtteil Molsdorf zu sehen. Das barock umgebaute Wasserschloß aus dem 16. Jahrhundert mit dem kleinen Schloßgarten nach Versailler Vorbild ist berühmt. Spaziergänger finden den Park heute im englischen Stil vor.


Ouelle: Freizeitführer Thüringen Band 1: Region Mitte und Nord, Wartberg Verlag GmbH



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